Gewerkschaft lobt Lehrer-Petition zur Bildungspolitik in Sachsen

von F. Holert

Kurz vor dem Ziel geht der Lehrer-Petition zur Bildungspolitik in Sachsen womöglich die Luft aus: Bis zum Ende der Zeichnungsfrist für Unterstützer ist die angestrebte Unterschriftenzahl auf der Online-Plattform openpetition noch nicht erreicht.

Bislang 5.000 Unterstützer

Am Mittwochnachmittag hatte die Petition mehr als 5.000 Unterstützer gefunden, von denen reichlich 4.000 aus Sachsen stammen. Damit hatte sich die Zahl der Befürwortet zwar in den vergangenen zwei Wochen etwa verdoppelt. Das Ziel liegt jedoch bei 12.000 Unterzeichnern. Dann würde sich die Plattform bei den Adressaten der Petition für die Inhalte stark machen. Davon sind die Initiatoren aber noch ziemlich weit entfernt. Anfang kommender Woche ist die Zeichnungsfrist abgelaufen. Die Initiatoren hatten sich dafür vier Wochen Zeit gesetzt. Für das in der Verfassung verankerte Petitionsrecht genügt grundsätzlich auch ein Unterschrift, damit sich beispielsweise der Petitionsausschuss des Landtags mit dem Anliegen befasst.

Initiatoren fordern bessere Arbeitsbedingungen

Die Petition fordert eine Neuausrichtung der Bildungspolitik im Sinne der Kinder. „Trotz guter Finanzlage hat die Bildung in Sachsen noch immer nicht erste Priorität“, stellte Susann Weber fest, die zur Gruppe der Initiatoren gehört. Sie sprechen sich unter anderem für zusätzliche Anrechnungsstunden für Klassenlehrer, Tutoren und Mentoren sowie einer langfristigen und festen Beschäftigung von Sozialarbeitern an jeder Bildungseinrichtung aus. Für einen individuellen und schülerorientierten Bildungsprozess sollte die Klassenstärke auf 24 Schüler und der Regelstundensatz eines Lehrers von 26 auf 24 Stunden reduziert werden. Ausdrücklich gehe die Petition nicht auf die Diskussion um den Beamtenstatus ein. Da gebe es Für und Wider. „Wenn das Beamtengehalt das einzige ist, was den Lehrer noch in Sachsen hält, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren“, sagte Mitinitiatorin Manuela Haenelt. Die meisten Lehrer aber würden ihren Job nicht wegen des Geldes machen. Die Absetzung von Kurzzeitminister Frank Haubitz, Leiter des Gymnasiums in Klotzsche, sei Anlass, aber nicht Ursache der Petition, die sich direkt an Ministerpräsident Michael Kretschmer und Kultusminister Christian Piwarz (beide CDU) richtete.

GEW sieht auch Resignation als Grund für geringe Unterstützung

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) lobte das Engagement von der Basis der Lehrerschaft. Trotz der bislang nicht ausreichenden Zahl an Unterstützern würde GEW-Landeschefin Uschi Kruse „nicht von einem Scheitern sprechen“. Die Forderungen nach attraktiveren Arbeitsbedingungen und einer Senkung der Belastungen sei gerechtfertigt. Andererseits stünden diese Erwartungen an die Politik auch schon längere Zeit im Raum. So sei die Frage, ob Lehrer nicht durch pädagogische Assistenzkräfte oder Schulverwaltungsassistenten von unterrichtsfernen Aufgaben entlastet werden könnten. „Die Bürokratisierung der Schulalltags raubt Ressourcen“, sieht Kruse die Intentionen der Petition in Übereinstimmung mit dem Eindruck der Lehrerschaft. Kruse schließt nicht aus, dass in der gegenwärtigen Unterstützerzahl für die Petition auch die Resignation unter den Lehrern zum Ausdruck komme. In Anbetracht all dieser Umstände seien 5000 Unterstützer eine „beeindruckende Zahl“.Ingolf Pleil

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