großer Silberschatz aus dem Dreißigjährigen Krieg

von F. Holert

Es war wohl das Jahr 1631, als ein Mann in einem der Wirtschaftsgebäude im Vorfeld von Schloss Lauenstein zwar nicht sein gesamtes Hab und Gut, wohl aber sein pekuniäres Vermögen versteckte. Soldaten des Kaisers rückten von Aussig her heran, das verhieß nichts Gutes. Also deponierte er sein Bargeld, wieder abgeholt hat er es nicht: Man wird nie erfahren, wer der Mann war und was ihm auf der Hochphase des Dreißigjährigen Krieges widerfuhr. Der Hort blieb verborgen, bis er im Juli dieses Jahres vom Maurer Robert Neßler bei Sanierungsarbeiten im ersten Obergeschoss des Wirtschaftsgebäudes links neben dem Torgebäude entdeckt wurde. „Ich hörte etwas Metallisches beim Graben mit einer Schaufel in einer Schuttschicht und siehe da ...“, erklärte er am Mittwoch gegenüber den DNN bei der Präsentation des Münzfundes im Landesamt für Archäologie. Von der Mutter „zur Ehrlichkeit erzogen“, informierte er umgehend den Chef, der wiederum die Archäologen in Dresden. Nun darf sich der 38-jährige Neßler über eine Belohnung freuen, die „deutlich über dem gesetzlichen Finderlohn liegt“, wie Sachsens Landesarchäologin Regina Smolnik wissen ließ. Von dem Geld will Neßler mit Frau und Kind in den Urlaub fahren. Italien oder Spanien soll es sein, er hat was übrig für historische Bauten.

„Nur“ rund 6 000 Euro ist der heutige Gegenwert des Münzschatzes – und das „ist noch gut geschätzt“, wie Smolnik meint. Es sind in ihm auch keine seltenen Münzen enthalten, wie Wilhelm Hollstein am Mittwoch mitteilte, der Oberkonservator des Münzkabinetts der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Der Hort ist auch lediglich einer von 75 Münzfunden aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, die auf dem Gebiet des Freistaats Sachsen gemacht wurden – und doch ist er in mancherlei Hinsicht bemerkenswert und durchaus ein „Schatz für die Wissenschaft“, wie Smolnik versicherte.

Es handelt sich wohl um das Privatvermögen eines Bediensteten, des sprichwörtlichen „kleinen Mannes“, der den Krieg deutlich mehr ausbaden musste als ein Fürst. Damals im 17. Jahrhundert entsprachen sämtliche 236 Silbermünzen einem Gegenwert von 20 Talern. Dafür musste ein Maurergeselle in jener Zeit 110 Tage arbeiten, dafür bekam er zehn Scheffel Korn oder 590 Kannen Pirnaischen Bieres, wie Hollstein durchblicken ließ. Die älteste Münze wurde gegen 1460 geprägt, es lässt sich nicht genau sagen, ob der in der Münzstätte Freiberg geprägte Meißner Groschen oder der Prager Groschen älter ist. Die jüngsten Münzen, sogenannte sächsische Groschen, wurden 1631 geprägt – und zwar unter der Regentschaft Kurfürst Johann Georgs I. in der Münzstätte in Dresden. 125 der 236 Münzen wurden zwischen 1621 und 1631 geprägt. Die meisten stammen aus dem albertinischen Sachsen, etwa 60 sind Prager Groschen, Böhmen lag aus Lauensteiner Perspektive wahrlich vor der Haustür. Auch allerlei Geldstücke von verschieden Reichstädten fanden sich im Münzhort, der einst wohl von einem oder mehren Beuteln umhüllt war, wie Anhaftungen von Textilresten nahelegen.

Korrodierten Silbermünzen steht Restaurierung bevor

Das Gros der Münzen ist stark korrodiert, was auf einen hohen Kupferanteil im Silber hindeutet. Ein bisschen spiegeln die Münzen die „Kipper- und Wipperzeit“ wider, als in der ersten Phase des Dreißigjährigen Krieges viele Landesfürsten Geldstücke mit einem erheblichen Kupferzusatz prägen ließen, was de facto zur ersten großen Inflation der Neuzeit führte. Denn die Sache sprach sich herum. Viele weigerten sich, solches schlechtes Geld anzunehmen, allenfalls bezahlten sie ihre Steuern damit, was nun wiederum Sachsens Kurfürsten nicht entzückte, weshalb der auch ob der völligen Zerrüttung des Finanzwesens zur Reichsmünzfuß-Ordnung zurückkehrte. Für einen Reichstaler waren ursprünglich 24 Groschen hinzulegen, zur Hochzeit des Krieges gut 300 Groschen, wie Rainer Grund, der Direktor des Münzkabinetts, erklärte.

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