Jubiläum 1050 Jahre Hochstift soll dem Meißner Dom Aufmerksamkeit bescheren

von F. Holert

Dompropst Andreas Stempel gibt sich selbstbewusst: „Der Meißner Dom ist eine Schatzkammer.“ Das aber ist Kulturinteressierten kaum bekannt. Deshalb erhofft sich auch Superintendent Andreas Beuchel mehr Aufmerksamkeit, wenn 2018 das 1050-jährige Bestehen des Hochstifts mit Tagung, Predigtreihe, Konzert und Gottesdienst gefeiert wird: „Wir wollen den Dom ins Bewusstsein der Menschen bringen.“

Von Cranach bis zur Gegenwartskunst

Das Bauwerk, nach einer ersten Kapelle und einer romanischen Basilika seit Mitte des 13. Jahrhunderts im gotischen Stil errichtet, ist ein einzigartiges Zeugnis mittelalterlicher Architekturgeschichte. Nur wenige jedoch wissen, dass der Dom zehn Gemälde aus der Cranach-Werkstatt besitzt: Angefangen vom ersten nachweisbaren, dem Retabel des Kreuzaltars (1526) vor dem Lettner, über das Triptychon (1534) in der Georgskapelle, bis hin zu den Bildnissen des Hans von Lindenau, Luthers, Melanchthons und des Kurfürsten Friedrich des Weisen. Auch große Gegenwartskunst ist vertreten. Vor reichlich drei Wochen erhielt der 1942 geborene Chemnitzer Maler, Grafiker und Bildhauer Michael Morgner als erster den mit 20 000 Euro dotierten Karl-Schmidt-Rottluff-Preis. In der Laudatio dort hörte Andreas Stempel: Die bedeutendsten Bilder hat Morgner 2012 eigens für den Meißner Dom geschaffen – vier Gemälde, jedes fast fünf Meter hoch und drei Meter breit, religiöse Themen, gestaltet als kosmische Ereignisse: Urknall, Kreuzigung, Höllensturz, Auferstehung – ein Höhepunkt seines Werkes. Um allerdings im großen Stil unter Touristen zu werben, fehlt das nötige Geld. „Wir sind ein absolut armes Hochstift“, sagt Andreas Stempel. 1581, als der Dom evangelisch wurde, verlor es Besitz an das Kurfürstentum, 1818 wurde der Rest verstaatlicht. Die Entschädigung fraß die Inflation 1923 auf.

Modernes Besucherzentrum geplant

Mindestens 70.000 Euro jährlich werden für die Erhaltung des Doms gebraucht. Hinzu kommen Kosten für die Bewirtschaftung. Etwa ein Drittel bekommt das Hochstift von der sächsischen Landeskirche, zwei Drittel muss es selbst aufbringen. Deshalb müssen Besucher seit mehr als 100 Jahren Eintritt bezahlen. Jährlich über 100 000 kommen derzeit. Für weitere Einnahmen werde inzwischen die Gründung einer neuen Stiftung vorbereitet, sagt Stempel. Nach 1989 ist der Dom Stück für Stück saniert worden, außen, gut sichtbar. Nun aber seien weniger attraktive Arbeiten im Verborgenen nötig, sagt Domherr Michael Gilbert: Lampen, Steckdosen, Toiletten. Kasse und Dom-Shop, derzeit an unterschiedlichen Stellen, sollen in einem modernen Besucherzentrum zusammengelegt werden. In diesem Jahr beginnt die erste Phase beim Umbau des Dommuseums. Das informiert seit etwa 20 Jahren über Architekturgeschichte und Reformation. Und es zeigt wertvolle Ausstattungstücke. „Der Bezug zu Meißen wird künftig deutlicher sichtbar“, kündigte Michael Gilbert an. Und auch einige der Cranach-Gemälde werden in Zukunft besser präsentiert.Internet:www.dom-zu-meissen.de TomasGärtner

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