Katja Werker stellte in der Dreikönigskirche ihre neue CD „Magnolia“ vor

von F. Holert

Schön, dass Katja Werker zu einem Zeitpunkt in Dresden war, als man glauben konnte, dass dieser Winter tatsächlich irgendwann vorbei sein wird. Dass der Frühling kommt und mit ihm ein Neuanfang. Also das, was thematisch im Vordergrund ihres brandneuen, erst wenige Tage zuvor erschienenen Albums „Magnolia“ steht. Die Magnolie sei ihr Lieblingsbaum, erzählt sie in einem der vielen persönlichen Zwischentexte, die diesen Abend in der Dreikönigskirche zu mehr als einem Konzert machen. Denn er blühe als erstes nach dem langen Winter und bedeute, dass die dunkle Jahreszeit vorbei sei. Zwei Jahre hat sie an „Magnolia“ gearbeitet, alles allein gemacht, und es auf ihrem 2014 gegründeten eigenen Label „Küchentisch-Productions“ selbst herausgebracht. Wozu dann jene Pannen gehören, die passieren, wenn Frau drei Nächte durcharbeitet, um Deadlines zu halten, und es keine Kontrollinstanz mehr gibt... „Das große Glück im Kleinen“ spielt sie live, es ist ein zarter Folksong darüber, wie wichtig all die winzigen Momente sind. Auf der CD ist er nicht drauf, sie hatte vergessen, ihn mit den zehn anderen ans Presswerk zu schicken, wie sie in bezwingender Offenheit gesteht. Dafür gibt es ihn nun als kostenlosen Download von ihrer Homepage – und auf der zweiten Auflage der CD wird er natürlich auch erscheinen. Die nicht allzu lange auf sich warten lassen dürfte: zumindest in Dresden musste Werker noch weitere Exemplare aus dem Auto holen, weil der erste Stapel schon sehr schnell ausverkauft war. Dabei brachte sie in den zweieinhalb Stunden nur sechs Songs von „Magnolia“, inklusive desjenigen, der eben nicht drauf zu finden ist. Fast ebensoviele kamen von „Contact Myself“, jener Debüt-CD, die mit gewaltigem Marketing-Aufwand von einem großen Label in die Welt geschossen worden war. „Sechs Seiten in der Brigitte“, erinnert Werker sich in dem Ruhrgebiets-Duktus, der die Zwischentexte prägt, „ganzseitiges Foto“. Und erzählt, wie sehr sie all das auch verunsichert habe. Wie überflüssig ein kreativer Mensch „sieben Stunden in der Maske“ für solch ein Foto, auf dem man sich dann nicht wiedererkennt, findet, muss sie nicht betonen. Es steht ihr ins Gesicht geschrieben.

Katja WerkerWB

Ganz in schwarz, mit raspelkurzen blonden Haaren, steht die 48-Jährige heute mit ihren Gitarren und ihrer Ukulele auf der Bühne als eine Frau, die ihren Weg mittlerweile gefunden hat. Über 20 Jahre, nachdem sie mit einer Demokassette „mit drei verrauschten Liedern drauf“ durch Essen getingelt ist, sie Dieter Bohlen gegeben hat, der sich nie gemeldet hat, und Stefan Stoppok, der sie kurz darauf anrief. Sie einlud zu einer großen Studioproduktion. 1997 war das. Drei Jahre später erschien „Contact Myself“. Und dass Bohlen keine Ahnung von Musik hat, wissen wir also spätestens jetzt. „Der andere da von Modern Talking, der sei aber ganz nett gewesen“, lässt Werker uns zu diesem Thema noch wissen. Stoppok zu Ehren spielt sie dessen „Aus dem Beton“, und aus diesem ohnehin grandiosen Song wird bei dieser Stimme, mit einer ganz leicht „verschobenen“ Melodie, etwas noch Größeres, noch Anrührenderes. Eine zweite Cover-Version, „Mad World“ von Tears for Fears, beschließt das erste Set; im zweiten hören wir noch „Dancing Queen“ und „Whiter Shade of Pale“. Was in der Summe gemeinsam mit den sorgfältig ausgewählten eigenen Songs einen ziemlich perfekten Abend ergab. Lediglich der Schlusssong des regulären Parts, „Die Gitarre passt in einen Koffer“, geriet zu lang und damit spannungslos. Der Song, aus Konzerten gut bekannt, findet sich auch auf „Magnolia“; live spielte sie an diesem Abend einige Loops ein, deren Chöre – ihre eigene Stimme – an Produktionen des von ihr verehrten Peter Gabriel erinnern. Aber: Zu viel des Guten. Wenngleich das Stück durchaus echte Ohrwurmqualitäten hat. Mich jedenfalls hat der Refrain, „der ja auch eine Lebenshaltung ist“, so Werker, später noch sanft in den Schlaf geschaukelt.VonBeateBaum

 

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