Pfleger ersticht 37-Jährige und stürzt sich dann in den Tod

von F. Holert

Mysteriöse Bluttat in einem Dresdner Pflegeheim: Nach einer Messerattacke am Mittwochabend ist eine 37-Jährige verstorben. Der Täter – ein 59 Jahre alter Pfleger, der im ASB-Seniorenheim am Leutewitzer Ring angestellt war – stürzte sich nach dem Angriff aus dem Fenster im vierten Stock und erlag ebenfalls seinen Verletzungen. Wie die Polizei mitteilt, stürmte der Mann gegen 19.30 Uhr in das Zimmer einer mehr als 90 Jahre alten Bewohnerin und verletzte deren Enkelin mit einem Messer schwer. Das Opfer wurde sofort medizinisch versorgt, am Donnerstag verstarb die Frau jedoch im Krankenhaus.

Täter war seit über sechs Monaten krankgeschrieben

Nach Angaben von Geschäftsführer Peter Großpietsch war der 59-Jährige seit über einem halben Jahr wegen einer Schulterverletzung krankgeschrieben, sollte am Freitag wieder seine Arbeit aufnehmen. In den vergangenen Wochen war er wegen seiner Schulter in physiotherapeutischer Behandlung in der hauseigenen Praxis des Heims. Am Mittwochabend kam er in das Pflegeheim, um die letzten Absprachen für die Wiedereingliederung in den Job zu treffen. Unklar ist, was der 59-Jährige an diesem Abend auf der Wohnstation zu suchen hatte. „Er arbeitete ja nicht und kam nur zur Absprache zu uns. Er freute sich darauf, nach der langen Krankheitsphase wieder bei uns zu arbeiten, sagte er uns“, erinnert sich Großpietsch. Wie er dann jedoch gegen 19.30 Uhr auf die Wohnstation gelangte, auf der die Bewohnerin lebt und weshalb er deren Enkelin angriff, kann bisher niemand erklären. „Er arbeitet seit 1994 bei uns. Die Kollegen kannten ihn als netten und zuverlässigen Mitarbeiter. Hier sind alle geschockt“, sagt Großpietsch.

Viele Bewohner haben nichts bemerkt

Die Bewohnerin befindet sich derzeit bei ihrer Tochter. Ob sie je in das Pflegeheim zurückkehren wird, ist fraglich. „Wir werden es ihr selbstverständlich ermöglichen, auch in eine andere Wohneinheit zu ziehen. Aber ob sie das möchte, bei all diesen Erinnerungen, wissen wir natürlich nicht“, sagt der Geschäftsführer. Nun heißt es erst einmal: zurück zur Routine. „Am Mittwochabend hat alles erstaunlich gut funktioniert, auch die Nachtschicht verlief problemlos. Bei den meisten sackt das Erlebte nun einen Tag später erst ab und es folgt die Fassungslosigkeit“, so Großpietsch, der wenige Stunden zuvor mit der gesamten Belegschaft über die Ereignisse sprach. „Viele Bewohner haben davon gar nichts mitbekommen, für sie war das ein ganz normaler Donnerstagmorgen. Auch am Mittwochabend war nach zwei, drei Stunden wieder völlige Ruhe im Haus. Die Routine beizubehalten, ist sehr wichtig. Ich habe unsere Mitarbeiter trotzdem darum gebeten, sich Hilfe zu holen, wenn es nötig ist. Dabei werden wir sie unterstützen“, erklärt Großpietsch die aktuelle Stimmung im Gorbitzer Pflegeheim.

Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei ermitteln

Auch vor dem Haus herrscht ein Tag danach Ruhe. Zwei Damen, die im Heim wohnen, unterhalten sich auf dem Gehweg, tauschen sich über die Erzählungen des letzten Abends aus. „Ich selbst habe davon nichts mitbekommen, es wurde mir nur erzählt“, erzählt eine der beiden, die anonym bleiben möchte. Lediglich ein Loch im Vordach eines kleinen Hofes neben dem Haupteingang erinnert an den Sturz des Täters. Warum er die 37-jährige Frau angriff und anschließend aus dem Fenster im vierten Stock sprang, ermitteln nun die Dresdner Staatsanwaltschaft und die Kriminalpolizei.Von.cg/lml

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