Sonderausstellung „Rassismus“

von F. Holert

Eins gleich vorab: Genau betrachtet, dreht sich diese Ausstellung um eine Leerstelle. Denn Menschenrassen gibt es nicht. Doch wird seit ungefähr 250 Jahren immer wieder versucht, Eigenschaften und Qualitäten an körperliche Merkmale des Menschen zu knüpfen. Wenn das auch ohne wissenschaftlichen Erfolg geblieben ist, hat sich dennoch die Idee von menschlichen Rassen gehalten. Die daraus resultierende Abgrenzung – ein wie auch immer geartetes Wir gegen ein anders geartetes Die da – hat den Rassismus in all seinen Formen hervorgebracht und befeuert ihn ständig weiter. In unseren Tagen und in unseren Breiten so stark wie schon lange nicht mehr.

Also ist die jüngste Sonderausstellung „Rassismus – Die Erfindung von Menschenrassen“ im Dresdner Hygiene-Museum auch eine Kerbe im Pfahl des Zeitgenössischen. Natürlich aber noch viel mehr, besonders weil das Museum selbst eine Geschichte in Zeiten des Nationalsozialismus spielte, die Museumschef Klaus Vogel als „Propaganda-Anstalt“ bezeichnet. Doch schon wesentlich früher wurden in Dresden Themen wie Rasse verhandelt. Die I. Internationale Hygiene-Ausstellung 1911, die eigentliche Geburtsurkunde des Hygiene-Museums, hatte bereits eine eigene Abteilung zur „Rassenhygiene“. Eine Art Prolog für das 1933 verabschiedete Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses (und den Weg in die Euthanasie) und die sogenannten Rassengesetze von 1935 mit all ihren Konsequenzen.

Auch wenn sich die aktuelle Schau auch mit der Rolle des Hauses in dieser Geschichte kritisch auseinandersetzt (nicht zum ersten Mal), steht dann aber doch etwa anderes im Vordergrund: vor allem, wie die Konzepte für Rasse entstanden sind, und zwar tatsächlich im Zeitalter der Aufklärung. Denn die Französische Revolution trug zwar Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit im Motto, ungleich blieben vor diesem hehren Gebot aber die Menschen aus den Kolonialgebieten. Und das, weil Gelehrte Rassentheorien entwickelten, mit deren Hilfe sie glaubten, den Menschen zu erfassen, seine Natur zu entschlüsseln – und ihn zu katalogisieren. (Kleiner Exkurs an dieser Stelle: Das Katalogartige ist heutzutage eine der maßgebenden Formen der Postmoderne – in der das aufklärerische Moment jedoch gerade massiv in den Hintergrund gedrückt wird.) Der schwedische Botaniker und Zoologe Carl von Linné war einer der maßgeblichen Wegbereiter dieser Theorien. 1735 unterschied er die Menschen in vier Rassen: Europäer, Amerikaner, Asiaten und Afrikaner, natürlich hierarchisiert. All das hat sich lange gehalten im Nebel des Halbwissens.

Nebel war den Ausstellungsmachern aber wohl zu aufwändig zu produzieren. So entstand in der Ausstellungsarchitektur im ersten Teil ein anderes Grundbild: das eines fast bis zur Decke reichenden hölzernen Regals, das den Raum unvollständig, aber dicht überzieht. Ein labyrinthisch anmutender Überbau, in dem sich viel wissenschaftliches Unterfutter jener frühen Rassenlehre findet, bis hin zu der von Rudolf Virchow erstellten Karte zur Verteilung von „Rassenmerkmalen“ von Schulkindern von 1875. Anderswo finden sich als Modelle gefertigte „Rassenköpfe“, die in den 1930er Jahren von blinden und sehbehinderten Schülern als Lehrmittel in der Rassenkunde genutzt wurden. Ein Video zeigt den amerikanischen Autor James Baldwin. Er hatte unter dem Titel „Remember this house“ einen unvollendeten Roman über die Geschichte der schwarzen Bevölkerung in den USA hinterlassen. Mit Blick auf die anhaltende rassistische Diskriminierung stellte Baldwin vor 50 Jahren die Frage: „Es geht nicht darum, was mit schwarzen Menschen passiert. Die eigentliche Frage ist: Was passiert mit diesem Land?“

Nicht erst im letzten Raum, einer begehbaren Skulptur aus übermannshohen Papprollen, setzt sich beim Besucher die innere Bitte durch, das alles mal sacken lassen zu können, eine kurze Pause zur Verarbeitung zu nehmen. Es könnte auch als fast physisch fühlbar gewordener Lerneffekt bezeichnet werden. Einen Effekt, den die Ausstellungsmacher um Kuratorin Susanne Wernsing übrigens selbst hinter sich haben. „Farbenblind“ sei man gewesen, sagte Vogel. „Das Kuratorenteam war komplett weiß.“ Also wurde noch eine andere Perspektive hergestellt, durch ein Beratungsteam aus Menschen, die selbst Rassismus erfahren haben. Wie Natasha A. Kelly: Sie und andere Künstlerinnen haben den Parcours im Museum mit Interventionen angereichert. Dazu kommen grellgelbe Texttafeln, auf denen so manches Mal noch ein anderer Blickwinkel auf das Gezeigte eingenommen wird.

All das soll keine Anti-Ausstellung sein, vielmehr ein Plädoyer für Toleranz, Menschenwürde und Diversität, hatte Vogel gesagt. Dennoch hat man an mancher Stelle Björn Höcke, den Thüringer AfD-Fraktionschef, und seine Aussagen über den „Import fremder Völkerschaften“ im Ohr. Oder als er vor zweieinhalb Jahren den Unterschied zwischen Europa und Afrika thematisierte und von „Ausbreitungstyp“ (Afrika) und „Platzhaltertyp“ (Europa) sprach. Das Wort Rasse hatte Höcke damals vermieden, die Parallele zum Nationalsozialismus war dennoch klar zu ziehen. Und damit ist schon vieles gesagt. Wenn heutzutage irgendwo die Rede von menschlichen Rassen ist, liegt Rassismus meist gleich um die Ecke. bis 6. Januar 2019, Hygiene-Museum, Lingnerplatz 1, geöffnet Di-So 10-18 Uhr, Katalog und umfangreiches Begleitprogramm inkl. Tagungen www.dhmd.de VonTorstenKlaus

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